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Saararbeit

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Die „Saararbeit“ des Kösener SC-Verbandes 1933-1935

Grenz- und Auslandsarbeit sah der KSCV nach der Anpassung an die Strukturen des NS-Staats als eine seiner vornehmsten Aufgaben an. Dazu wurde 1933 ein eigenes, dem Verbandsführer unterstelltes „Hauptamt“ unter der Leitung von Hermann Druckrey geschaffen. Seine Zuständigkeit umfasste alle Corpsstudenten und corpsstudentischen Gliederungen (SC, Corps, AHSC) außerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches, namentlich in Österreich, Böhmen, dem Baltikum und den im Weltkrieg an Polen verlorenen Gebieten, den Grenzregionen in Ostpreußen, Oberschlesien und Schleswig. Eigene Amtsleiter bearbeiteten die Aufgabengebiete Auslands- und Ausländerstudium samt Studienaustausch sowie allgemeine volkspolitische Grenz- und Auslandsfragen.

Die „Saararbeit“ des Kösener SC-Verbandes 1933-1935

Grenz- und Auslandsarbeit sah der KSCV nach der Anpassung an die Strukturen des NS-Staats als eine seiner vornehmsten Aufgaben an. Dazu wurde 1933 ein eigenes, dem Verbandsführer unterstelltes „Hauptamt“ unter der Leitung von Hermann Druckrey geschaffen. Seine Zuständigkeit umfasste alle Corpsstudenten und corpsstudentischen Gliederungen (SC, Corps, AHSC) außerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches, namentlich in Österreich, Böhmen, dem Baltikum und den im Weltkrieg an Polen verlorenen Gebieten, den Grenzregionen in Ostpreußen, Oberschlesien und Schleswig. Eigene Amtsleiter bearbeiteten die Aufgabengebiete Auslands- und Ausländerstudium samt Studienaustausch sowie allgemeine volkspolitische Grenz- und Auslandsfragen.

Das Hauptamt hatte die Aufgabe, durch die Organisation von Grenzlandfahrten und Grenzlandschulungslagern das Interesse an der Arbeit in den Grenzregionen anzuregen und bei den aktiven Corpsstudenten für eine tätige Mitarbeit zu sorgen. Neben der personellen und ideellen Unterstützung der österreichischen Corps hatte die propagandistische Agitation für die Rückgliederung des Saargebiets einen maßgeblichen Anteil an der Arbeit.

Durch das Saarstatut vom 10. 1. 1920 waren die Saargruben in das unbeschränkte Eigentum des französischen Staates übergegangen und der Völkerbund zum Treuhänder des Saargebiets bestimmt worden. Französische und britische Besatzungstruppen blieben im Land. Die Regierung lag in den Händen einer Kommission, die sich aus je einem Franzosen, einem deutschsprachigen Saarländer und drei Vertretern anderer Staaten zusammensetzte. Erst 1922 wurde ein Landesparlament mit beratender Funktion geschaffen. Die Saarländer blieben von einer Mitbestimmung weitgehend ausgeschlossen. Regierungsämter und Spitzenpositionen in Verwaltung und Justiz wurden von Franzosen besetzt. Die weitgehende politische Entmündigung, das französische Zwangsschulsystem, aber auch exogene Faktoren wie die Weltwirtschaftskrise, die das Saargebiet erst 1930/31 erreichte, sorgten immer wieder für Protest. Die NSDAP hatte im Saargebiet bis Januar 1933 nur den Status einer Kleinpartei, da über die Forderung nach einer Rückgliederung in das Reich bei allen politischen Gruppierungen weitgehend Konsens herrschte. Bei den Landtagswahlen erreichte sie nicht mehr als 6,7 % der Stimmen. Nach der „Machtergreifung“ im Reich war die Partei auch im Saargebiet stärker präsent und bildete mit der liberalen DSVP und dem Zentrum das Parteienbündnis „Deutsche Front“. Durch Solidaritätsbekundungen wie der von Joseph Goebbels organisierten Saargroßkundgebung am Niederwalddenkmal Ende August 1933 zog die NSDAP weitere Sympathisanten auf ihre Seite.

Auf der am 26. 8. 1934 im Beisein von Hitler und Goebbels eröffneten Saarausstellung in Köln wurde auch die Saarbetreuung der studentischen Verbände thematisiert. Neun Korporationsverbände, darunter KSCV und WSC, waren vertreten. Die Kösener Abteilung wurde durch den Führer des Kölner Waffenrings, Wolfgang Gericke Hanseae Köln betreut.

Wichtigster Teil des Kösener Engagements war die Übernahme einer „Patenschaft“ für die Bergarbeitergemeinde Klarenthal. Der nach dem Dreißigjährigen Krieg gegründete Ort, ursprünglich eine Glasmachersiedlung, wurde nach Eleonore Klara von Hohenlohe-Neuenstein, der Ehefrau des Landesherrn Gustav Adolf von Nassau-Saarbrücken benannt. Nach dem Ende der Glashütte bildeten Ziegeleien und Landwirtschaft , nach 1900 der Bergbau das wirtschaftliche Rückgrat der Gemeinde. Heute ist sie ein Stadtteil von Saarbrücken.

Wie es zum Abschluss der „Patenschaft“ kam, und in welcher Weise eine vertragliche Vereinbarung mit der Gemeindeverwaltung geschlossen wurde, ist bislang nicht bekannt. Möglicherweise wurden die Kontakte durch den Stahlindustriellen Hermann Röchling (Guestphalia Heidelberg) angebahnt. Röchling und sein Schwiegersohn Freiherr von Gemmingen (Bremensia Göttingen) waren wichtige Kontaktstellen für den Verband. Jedenfalls wurde die Saararbeit ein Schwerpunkt der corpsstudentischen Grenzlandarbeit und innerhalb des Hauptamts ein eigenes Amt eingerichtet. Mehrere „Grenzland-Saarfahrten“ sind in der Deutschen Corpszeitung dokumentiert. Bestandteil des Programms waren in der Regel Besichtigungen der Röchling´schen Stahlwerke, Begegnungen mit saarländischen Arbeitern und Kameradschaftsabende mit Ansprachen, bei denen die nationalsozialistische Indoktrination im  Mittelpunkt stand. Neben dem Werben für Anschlussbewegung sollte das Bewusstsein für die Volksgemeinschaft ohne Klassenschranken, die Einheit des „Arbeiters der Faust und des Arbeiters der Stirn“, geschärft werden. „Corpsstudent, Waffenstudent sein heißt: Pflichten haben, daß es heißt harte Arbeit an Volk und Heimat, daß es heißt Beauftragter und Sachwalter sein jenes Volksgenossen am Pflug und des Kameraden am Schraubstock", wie es in einer der Reden hieß.

Im Gegenzug besuchten Arbeiter aus dem Saarland verschiedene SC, zum Beispiel in Freiburg. Die Beteiligung der Stadt und der Universität, die Anwesenheit von Rektor und Bürgermeister zu den Veranstaltungen, unterstreicht die breite Unterstützung für das corpsstudentische Engagement.

Das Kösener Archiv verwahrt eine Reihe von Unterlagen zur Tätigkeit des Saarreferats. Die hier gezeigten Bilder stammen wohl von einer fünftägigen Pfingstspitze der Nassovia Würzburg, die 1934 unter ähnlichen propagandistischen Vorzeichen unternommen und auch in der Deutschen Corpszeitung verwertet wurde. Auf dem Programm standen neben der Besichtigung des Röchlingschen Stahlwerks auch die Brauerei in St. Ingbert, eine Fahrt durch den Warndt und ein Besuch in Klarenthal, eine Begegnung mit entlassenen Bergarbeitern und eine Zusammenkunft mit Vereinsvorständen, Amtswaltern der Deutschen Front, Lehrern, Arbeitern und Arbeitslosen.

Am 13. Januar 1935 sprachen sich in der Volksabstimmung 90.8 % der Bevölkerung für die Rückgliederung des Saargebiets an das Deutsche Reich aus. Am 1. März fand die offizielle Übernahme statt. Der pfälzische NS-Gauleiter Josef Bürckel übernahm als „Reichskommissar für die Rückgliederung“ die Verwaltung. Noch im März 1935 fand in Saarbrücken ein „Saarlandbefreiungskommers“ statt, an dem auch der KSCV teilnahm. Auch wenn mit der Rückgliederung des Saargebiets der äußere Anlass weggefallen war, wurde bei einer anschließenden Fahrt nach Klarenthal das Fortbestehen des Patenschaftsverhältnisses noch einmal unterstrichen. Mit der Auflösung des Verbandes im Herbst des Jahres ist es dann faktisch erloschen. Angesichts der braunen Konnotation mochte sich nach dem Krieg, als das Saarland wieder unter französische Verwaltung fiel und der KSCV als Verband neu erstand, wohl niemand mehr an die einstigen Beziehungen erinnern, und so gerieten sie endgültig in Vergessenheit.