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AHSC Tsingtau

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AHSC Tsingtau

Gästebuch des AHSC Tsingtau

Am 6. März 1898 unterzeichneten China und das Deutsche Kaisereich nach einem Ultimatum eines Kreuzergeschwaders der Kaiserlichen Marine einen Pachtvertrag über das Gebiet von Tsingtau (heute: Qingdao) im Süden der Halbinsel Schantung. Der aufstrebende Marinestützpunkt entwickelte sich schnell und bot ein Betätigungsfeld für zivile Beamte, Ärzte, Anwälte und anderes deutsches Personal. 1913 lebten in der Stadt 2069 Europäer, darunter einige Corpsstudenten, die in verschiedenen Bereichen der Verwaltung, aber auch in freien Berufen beschäftigt waren. Vor allem bei Rechtsreferendaren scheint Tsingtau als Station zeitweilig recht beliebt gewesen zu sein...

Gästebuch des AHSC Tsingtau

Am 6. März 1898 unterzeichneten China und das Deutsche Kaisereich nach einem Ultimatum eines Kreuzergeschwaders der Kaiserlichen Marine einen Pachtvertrag über das Gebiet von Tsingtau (heute: Qingdao) im Süden der Halbinsel Schantung. Der aufstrebende Marinestützpunkt entwickelte sich schnell und bot ein Betätigungsfeld für zivile Beamte, Ärzte, Anwälte und anderes deutsches Personal. 1913 lebten in der Stadt 2069 Europäer, darunter einige Corpsstudenten, die in verschiedenen Bereichen der Verwaltung, aber auch in freien Berufen beschäftigt waren. Vor allem bei Rechtsreferendaren scheint Tsingtau als Station zeitweilig recht beliebt gewesen zu sein.

Erste Zusammenkünfte von Kösener Corpsstudenten sind aus dem Jahr 1905 überliefert. Unter den Teilnehmern waren Baurat Heinrich Hildebrand (Teutonia Berlin), Bauinspektor Peter Hildebrand (Guestphalia Berlin, Normannia Berlin), der Freiburger Rhenane Reuter, damals Intendanturrat, und Rechtsanwalt Dr. Koch (Guestphalia Heidelberg). Aus den zunächst zwanglosen Treffen entwickelten sich allmählich regelmäßige Kneipabende. Bis Herbst 1905 hatten sich der SC-Abend am letzten Sonnabend jeden Monats im Hotel „Zur Eiche“ etabliert. Auf einem dieser Abende kam am 31. März 1906 der Gedanke auf, einen "Verein alter Corpsstudenten für Ostasien in Tsingtau" zu gründen und den Anschluss an den VAC zu suchen. Die förmliche Gründung fand bereits einen Monat später am 31. Mai 1906 statt.  Gründer waren: Heinrich Hildesbrand, der Marinearzt Dr. Ludwig Wang (Thuringia Jena), die Rechtsreferendare Rudolf Frhr. v. Reibnitz und Ulrich v. Hassell (beide Suevia Tübingen), Hermann Reuter (Rhenania Freiburg, † 1934 als Wirk. Geh. Admiralitätsrat ), Dr. Friedrich Wilhelm Gebecke (Lusatia Leipzig, † als Marinegeneraloberarzt); Dr. Theodor Sohler (Marchia Berlin, † als Generaloberarzt a. D.), Dr. Fritz Bokelberg († 1945 als Marinegeneralarzt), Dr. Paul Doenitz (Rhenania Tübingen,† 1955 als Gymnasialprofessor und Studienrat ), F. Buchinger (Starkenburgia), Manfred Zimmermann (Suevia Tübingen) sowie Regierungsassessor Dr. Waldemar Abegg (Palatia Straßburg). Die Anzahl der Militärärzte unter den Mitgliedern verweist noch deutlich auf den militärischen Charakter des Schutzgebiets. Noch am gleichen Abend beschloss die Versammlung die Meldung als Bezirksverband zum VAC. Baurat Hildebrand wurde einstimmig zum ersten Vorsitzenden gewählt.

Es ist ein Glücksfall, dass sich von diesem wohl exotischsten Bezirksverband des VAC Archivalien im Kösener Archiv erhalten haben. Das Gästebuch, das in diesem Monat vorgestellt wird, wurde mit einem SC-Abend in der "Eiche" am 25. Juni 1906 begonnen. Es war zugleich die Abschiedsfeier für den von Tsingtau scheidenden Kammergerichtsreferendar von Hassell (Suevia Tübingen), später als Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 hingerichtet, sowie seines Corpsbruders und Coätanen Rudolf Frhr. v. Reibnitz, nachmals Amtsrichter in Frankfurt (Oder). SC-Abende fanden später auch in der Pension Luther, SC-Essen in Hildebrands Privatwohnung, im Hotel Kiautschou, im Zentralhotel und im Hotel-Restaurant zum Pschorrbräu von Paul F. G. Dachsel statt. Unter dem 25.4.1909 ist ein „aoSC, Freibier (einschließlich Cigarren, Schnaps und Brötchen) des Stabsarztes Dr. Kobert" (Guestfalia Greifswald, † 1939 als Marinegeneralarzt a. D.) verzeichnet, dem „für diese Art der Feier die Anerkennung des AHSC ausgesprochen“ wird. „Er wird auch sonst gebührend gelobt“. Anlässe für gesellige Abende fanden sich immer: Augustus Vorwerk Sueviae Tübingen, Guestphaliae Heidelberg lud am 29.7.1909 zu einem Abend anlässlich des 75jährigen Kartellfestes seiner beiden Corps.

Die nebenstehend abgebildete Seite stammt von einem Abschiedsabend für den Heidelberger Rhenanen Hans Borchers im Tsingtau Club am 12.10.1912. Borchers  (1887-1972) war seit 1911 Gerichtsreferendar am Kaiserlichen Gericht in Tsingtau. Er machte später ähnlich wie Ulrich von Hassell Karriere im Auswärtigen Amt, unter anderem als Legationssekretär in Kopenhagen, Gesandtschaftsrat in Wien und Konsul in Cleveland. In den Jahren 1933 bis 1941 war er deutscher Generalkonsul in New York. - Als neues Mitglied wurde "Herr Reimers Onoldiae" begrüßt, ein Marinestabsarzt aus Kiel. Er starb noch im gleichen Jahr in Ostasien.

Die Geschichte des AHSC Tsingtau endet mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs: Der letzte Eintrag datiert vom 27. Juni 1914, vier Wochen vor Kriegsbeginn. Wer die Akten sicherstellte und nach Deutschland brachte, ist nicht überliefert.