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N 6 - Robert Lehr

Bestände (KSCV)

N 6 - Robert Lehr

Laufzeit: 1950-1955

 

Biographie: Robert Lehr wurde am 20. August 1883 in Celle als Sohn eines Offiziers geboren. Er besuchte die Realgymnasien in Kassel, Einbeck und Koblenz und begann 1903 mit dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Marburg. Am 6. Mai 1905 wurde er bei Teutonia ins engere Corps recipiert. 1908 wurde er zum Dr. jur. promoviert. 1912 legte er die Große juristische Staatsprüfung ab. Nach Stationen als Richter am Amtsgericht Kassel und juristischer Hilfsarbeiter bei der Stadtverwaltung von Rheydt trat Lehr 1913 bei der Verwaltung der Stadt Düsseldorf ein und wurde 1914 Polizeidezernent und 1919 Finanzdezernent. 1924 wurde er zum Oberbürgermeister der Stadt gewählt. Als konservativer Deutschnationaler stand er in Oppostion zum NS-Staat und wurde nach deren Machtergreifung 1933 abgesetzt. Während des Zweiten Weltkrieges hatte Lehr Kontakte zum konservativen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime.

1945 gehörte Robert Lehr zu den Mitgründern der CDU Düsseldorf und des CDU-Landesverbandes Rheinland. Von der britischen Militärregierung wurde er 1945 zum Oberpräsidenten der Provinz Nordrhein ernannt (bis 1946). Zugleich war er Vorsitzender des Zonenbeirats für die Britische Zone. 1946 bis 1950 war er Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtages, 1946/47 dessen Präsident. 1948/49 gehörte Lehr dem Parlamentarischen Rat an, 1949 bis 1953 dem Bundestag. Von 1950 bis 1953 war er Bundesinnenminister im Kabinett Adenauer. Hochschulpolitik war Lehr stets ein wichtiges Anliegen, was von Seiten der betreffenden Universitäten gerne gewürdigt wurde. Die medizinische Fakultät der Universität Münster verlieh ihm bereits 1926 die Ehrendoktorwürde. Lehr wurde Ehrenbürger der Universität Bonn und der Medizinischen Akademie in Düsseldorf, an deren Gründung und Aufbau er entscheidenden Anteil hatte. Ganz besonders aber blieb über seine Studienzeit hinaus der Universität Marburg verbunden. 1927 wurde er dort Ehrensenator. Am 9. Juni 1951 übernahm er von seinem Corpsbruder Paul Duden den Vorsitz des Marburger Universitätsbundes, den er bis zu seinem Tod inne hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Lehr auch ein engagierter Verfechter der Wiederzulassung der Korporationen und trat für die Pflege der Beziehungen zu den Universitäten ein. „Er war Korporationsstudent, Korpsstudent mit seinem ganzen Herzen und forderte für die Korporationen die freue Bahn, aber mit einer Eindringlichkeit, die einen großen Eindruck im besonderen auf die jungen Kommilitonen machte, verlangte er, daß im Besonderen die Korporationen die Verantwortung fühlen sollten für die Gemeinschaft, für die Idee des demokratischen Staates und seine Freiheit." (Pinkerneil) Am 13. Oktober 1956 starb Lehr in Düsseldorf und wurde auf dem Friedhof in Oberbrügge bei Lüdenscheid beigesetzt.

Bestand: Der kleine Nachlasssplitter enthält in erster Linie Unterlagen zu hochschulpolitischen Fragen, zur Wiederzulassung der Korporationen an den Universitäten und zur Mensurproblematik. Von Interesse ist besonders die Korrespondenz Lehrs bzw. seines persönlichen Referenten, Oberregierungsrat Dr. Günther Scholl. Enthalten ist auch der Schriftwechsel Lehrs in Sachen Universitätsbund Marburg, mit der Universitätsleitung, mit Professoren und anderen Vorstandsmitgliedern, sowie vorbereitendes Schriftgut zu den von Lehr an der Marburger Universität gehaltenen Reden. Parallelüberlieferungen bilden im Kösener Archiv die Bestände A 3 (VAC-Vorstand) und N 7 (Nachlass Hans-Reinhard Koch, zur Mensurfrage).

Weitere Nachlassteile Lehrs befinden sich im Bundesarchiv Koblenz, Bestand NL 244 (1,10 lfd m) und im Stadtarchiv Düsseldorf, Bestand 4-27 (6 lfd m). Im Staatsarchiv Marburg (Universitätsarchiv) befindet sich die Hauptüberlieferung des Universitätsbunds Marburg (Bestand 312/1). Der Gesamtbestand umfasst 0,1 lfd. Meter. Nutzungsbeschränkungen bestehen nicht.

Literatur: Corpszeitung der Marburger Teutonen 8/1956; Hermann v. Spindler: Dr. Dr. h. c. Robert Lehr Teutoniae Marburg zum Gedächtnisse, DCZ 57 (1956), S. 168-170;Walter Hensel: Robert Lehr, in: Christliche Demokraten der ersten Stunde, Bonn 1966, S. 211-241; Pinkerneil: Robert Lehr †, Mitteilungen Marburger Universitäsbund 1/1957, S. 1; Eleonore Sent:, Dr. Robert Lehr 1883-1956. Findbuch zu seinem Nachlass im Stadtarchiv Düsseldorf,. Düsseldorf 2006; Dies.: Dr. Robert Lehr (20.8.1883-13.10.1956). Düsseldorfer Oberbürgermeister, Oberpräsident der Nord-Rheinprovinz und Bundesinnenminister, in: Düsseldorfer Jahrbuch. Beiträge zur Geschichte des Niederrheins 78 (2008), S. 88-115.

 

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